SAMMLUNG GOETZ

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Matthew Barney
03.11.2007–29.03.2008 | Sammlung Goetz

“I like to think the music can take you farther into the visual than the visual alone can. There’s a place where we can see and hear at the same time, without being aware of doing either: a state of awareness without concentration, which can only happen with this kind of accumulation of elements.”
Matthew Barney

1987 begann Barney mit einer über die Jahre weiterentwickelten Serie DRAWING RESTRAINT, die wie seine Abschlussarbeit Field Dressing, 1989, zwei Themen zusammenführt: der Körper des Sportlers als energetische Skulptur und der Fetischcharakter von Sportgeräten. In seinen ersten Einzelausstellungen 1991 präsentierte er Installationen mit Skulpturen und Videos, die zeigten, wie er in Interaktion mit verschiedenen Konstruktionen und Objekten durch körperliche Anstrengung und Überwindung von Hindernissen doch noch zu einer Zeichnung gelangte. Die sieben Fotos der Serie ENVELOPA: Drawing Restraint 7 (Guillotine), 1993, sind als Bindeglied über die Ausstellungsräume verteilt. Die aktuelle große filmische Arbeit Drawing Restraint 9, 2006, wird parallel im Base präsentiert.
1994 begann der Künstler mit der Arbeit an seinem monumentalen CREMASTER-Zyklus, einem fünfteiligen Filmprojekt, das von Skulpturen, die zum Teil als Set dienten oder daraus abgeleitet wurden, Fotografien und Zeichnungen ergänzt wird. Das Zentrum der Ausstellung, die Werke aus den Jahren 1992 bis 2006 umfasst, bildet dieser in einer Raum-Klang-Skulptur zusammengefasste CREMASTER-Zyklus, einschließlich der jeden Film begleitenden Vitrine.

Was ursprünglich in Form von Performances des Künstlers ohne Publikum ausgeführt wurde, hat im Film DRAWING RESTRAINT 9 zu einer poetischen und zugleich verstörenden Form gefunden. Die Überwindung eines Widerstands für den Akt des Zeichnens wird in das Medium Film überführt und auf die Schaffung einer Skulptur ausgeweitet. DRAWING RESTRAINT 9 spielt auf dem japanischen Walfangschiff Nisshin Maru. Der Soundtrack stammt von der isländischen Musikerin Björk, die eine Hauptrolle im Film übernommen hat. Der Film beginnt mit einer Prozession in einem japanischen Hafenort: Dort wird ein Tanklastzug, gefüllt mit heißer Vaseline, von Ochsen, Pferden und Wildschweinen zum Schiff begleitet und von Hunderten Schaulustiger umringt. Die Vaseline wird anschließend in eine massive, offene Gussform auf dem Deck des Schiffs gepumpt und kühlt über Wochen auf seinem Weg zur Antarktis ab. Mit Werkzeugen und Arbeitsmethoden, die bei der Zerlegung von Walen angewandt werden, entsteht in der Gussform mit der Zeit eine Skulptur, die ihre Gestalt mehrfach ändert. Der Höhepunkt des Films besteht darin, die Gussform bei der Ankunft im Südpolarmeer vor dem Hintergrund von Eisbergen zu entfernen. Parallel zu dieser Entstehung eines Kunstwerks entwickelt sich unter Deck eine Liebesgeschichte – in den Hauptrollen Barney und Björk –, die an die strikten choreografischen Regeln japanischer Teezeremonien angelehnt ist. Im Verlauf der Zeremonie und der Reise wird der Teeraum selbst zur ‚Tasse‘ und füllt sich mit der warmen Flüssigkeit, in der die beiden westlichen Passagiere einer mysteriösen körperlichen Transformation unterworfen werden.

Matthew Barney (geboren 1967 in San Francisco, US, lebt und arbeitet in New York).