Sterling Ruby wurde 1972 auf dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Bitburg in Deutschland als Kind eines Amerikaners und einer Holländerin geboren. Schon als Kind entwickelte er eine Begeisterung für das Zeichnen und lernte von seiner Mutter nähen. 1995 besuchte er eine Bruce-Nauman-Retrospektive im Museum of Modern Art in New York, die ihn so begeisterte, dass er beschloss Künstler zu werden. 2002 schloss er sein Studium am Art Institute of Chicago mit einem Bachelor ab und ging 2003 nach Los Angeles, um sich für ein MFA-Programm am Art Center College of Design in Pasadena einzuschreiben. Von 2003-2005 arbeitete er dort auch als künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter von Mike Kelley .
Seinen künstlerischen Durchbruch erlebte Sterling Ruby Mitte der 2000er Jahre. Bis dahin hatte er bereits ein sehr breites vielschichtiges Werk entwickelt, in das sowohl seine Erfahrungen als Jugendlicher bei den Amish People im ländlich geprägten Pennsylvania als auch das Leben in der Metropole Los Angeles hineinspielten. Ruby steht in der Tradition der amerikanischen Kunst der Moderne und Gegenwart. Vorbilder sind unter anderem Robert Motherwell, Mark Rothko, Willem de Kooning und Barnett Newman. In seine Arbeiten lässt er aber auch Street Art, Mode, Medien, Lifestyle und aktuelle Diskurse einfließen, was sie ungeheuer zeitgenössisch und überraschend macht.
Im Zentrum der Ausstellung im Sammlung Goetz /Schaufenster stehen die großformatigen Spray-Paintings, die zu seinen bekanntesten Werkgruppen gehören. Sie verbinden gestische Abstraktion, Graffiti und atmosphärische Farbfelder mit industrieller Ästhetik und sind zugleich eine bewusste Auseinandersetzung mit der Geschichte der amerikanischen Nachkriegsmalerei. Neben den Spray-Paintings sind auch Arbeiten aus anderen wichtigen Werkgruppen des Künstlers zu sehen, wie zum Beispiel DESIPRAMINE (THE CARDIAC) von 2011, eine Keramik in Gefäßform aus der Basin Theology-Serie, frühe Bronzeskulpturen, wie die monumentale 3 Meter hohe Arbeit RWB DROPS von 2011 oder Vampire 81 von 2012, eine weiche, textile Skulptur, die an das weit aufgerissene, aber erschlaffte Maul eines Vampirs erinnert. Diese Arbeiten dokumentieren nicht nur die enorme künstlerische Bandbreite Rubys, sondern sind weitere wichtige Meilensteine in seinem Œuvre.