Video Still einer Zeichnung, die einen Mann im Anzug in Rückansicht zeigt, der einem weißem Hund über den Weg läuft. Francis Alÿs, Sammlung Goetz München
Sammlung Goetz

Francis Alÿs

„Francis Alÿs beobachtet die Menschen genau, wie sie sich abmühen, an kleinen Dingen Freude haben, wenn auch ihr Leben nicht einfach ist. Er spricht von den Niederlagen und Triumphen des alltäglichen Lebens ohne Spott oder Zynismus, eher mit der Traurigkeit eines Clowns. Die Wahrnehmung des von uns oft Übersehenen und dessen Dechiffrierung oder auch die Aufladung des Banalen mit Assoziationen ist das, was ihn interessiert.“ (Ingvild Goetz)

Francis Alÿs Werk verwischt die Grenzen zwischen dem melancholisch, humorvollen Geschichtenerzählen mittels naiv wirkender Malerei und Zeichnungen, die als Vorlage für kleine animierte Filme dienen, und eher sozialkritischen Aktionen und Studien, die sich mit dem Alltag auf den Straßen seiner Wahlheimat Mexico City beschäftigen. Seine Paseos (Spaziergänge) machten ihn international bekannt. In diesen Streifzügen blitzen eher beiläufig dokumentarische Verweise auf die politischen, sozialen und geschichtlichen Gegebenheiten seiner Wahlheimat auf.
Die neunteilige Videoinstallation Choques (2005/06) zog sich wie ein Bindeglied durch die gesamten Ausstellungsräume. Die Filme zeigen eine Begegnung zwischen einem Hund und einem Mann aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Viele der weiteren Werke entstanden in der geschichtsträchtigen und sozial problematischen Umgebung des Zócalo, des großen Hauptplatzes von Mexiko City. Dazu gehört Cuentos Patrióticos (1997), der eine Aktion des Künstlers dokumentiert. Er umrundet den zentralen Fahnenmast auf dem Zócalo, an einer Leine trottet ein Leithammel hinter ihm her. Mit jeder neuen Runde kommt ein Schaf hinzu, bis der Kreis geschlossen ist. Als Ausgangspunkt dieser tief symbolischen Aktion diente Alÿs ein konkretes Ereignis. Während der Unruhen von 1968 waren Tausende von Staatsdienern auf den Zócalo gerufen worden, um die Regierung demonstrativ zu unterstützen, drehten aber in einem rebellischen Akt der offiziellen Tribüne den Rücken zu und begannen zu blöken wie eine riesige Schafherde.
Zwischen 1992 und 2001 hat Alÿs in den Straßen von Mexiko City fotografiert: Menschen, Tiere, Heimat- und Obdachlose, schnelle Händler. Er hat den Alltag in der Millionenmetropole dokumentiert in Bildern, die keines Kommentars bedürfen. Bilder, die aufzeigen, wie Armut und Aussichtslosigkeit immer wieder mit Kreativität dann doch nach Lösungen suchen. Bilder, die aufzeigen, wie die Un-Orte der Stadt zum Überleben zum Lebensraum werden. Für die Diaprojektion Ambulantes (1992–2001), das mit ‚Umherziehenden‘ zu übersetzen ist, fotografierte er Menschen, die verschiedenste Dinge wie Kisten, Pflanzen, Tonnen, Luftballons etc. über die Straßen tragen oder ziehen, schnelle unproblematische Transportleistungen innerhalb der Megapolis Mexico City.

Francis Alÿs

160 Seiten, 139 Abb., Hardcover
Deutsch/Englisch
2008, Kunstverlag Ingvild Goetz GmbH, Hamburg
ISBN 978-3-939894-10-0
€ 25,00

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Cyrill Lachauer. The Sunset Route

| Kunstpalais Erlangen

feat. Mike Brodie, Mouse Green, Rhyw, Mia Justice Smith, Moritz Stumm

In der Ausstellung The Sunset Route im Kunstpalais Erlangen, die in Zusammenarbeit mit der Sammlung Goetz entstanden ist, zeigt Cyrill Lachauer Arbeiten aus den Jahren 2020 bis 2025, in denen er auf Güterzügen durch die USA sowie durch Mexiko und Bosnien reiste. Im Sinne einer poetischen Ethnographie entstanden dabei Fotografien und Filme, die nun zum ersten Mal zusammen gezeigt werden. Sie alle kreisen um Fragen nach Freiheit, Selbstbestimmtheit und Widerständigkeit, wie auch um Kolonisation, Ausgrenzung und Ausbeutung.

 

Laurie Simmons. Dollhouse Photographs

| Deutsches Theatermuseum

Die US-amerikanische Künstlerin Laurie Simmons ist bekannt für ihre inszenierten Fotografien, auf denen sie Puppen in stereotypen weiblichen Rollenbildern in häuslichen Interieurs präsentiert. Die Ausstellung ist eine Kooperation mit der Sammlung Goetz, dem Theatermuseum sowie dem Filmfest München und zeigt eine Auswahl ihrer Werke, die gesellschaftliche Rollenbilder der amerikanischen Mittelklasse kritisch reflektieren.

Sterling Ruby

| Sammlung Goetz /Schaufenster

Der in Los Angeles lebende US-amerikanische Künstler Sterling Ruby ist für sein gattungsübergreifendes Werk bekannt, das von Skulpturen, Keramiken und Bronzen über Collagen und Textilarbeiten bis hin zu riesigen Gemälden mit Sprühfarbe reicht. In seinen Werken verwebt er eine Vielzahl unterschiedlicher autobiografischer, kunsthistorischer und soziologischer Quellen. Durch Dekonstruktion und Neukonstruktion arbeitet er an der Idee eines nicht-hierarchischen und grenzlosen Universums. Die Ausstellung im Sammlung Goetz /Schaufenster gibt mit einer Auswahl seiner Werke aus der Zeit von 2008-2016, einen Einblick in sein vielschichtiges künstlerisches Schaffen.

Jeff Wall

| Sammlung Goetz /Schaufenster

Der kanadische Künstler Jeff Wall gehört zu den einflussreichsten Fotografen unserer Zeit. In seinen aufwändig inszenierten Bildkompositionen verbindet er das Narrativ des Kinos mit der Malerei. Bekannt wurde er durch seine großformatigen Leuchtkastenbilder, die formal eher an die Welt der Werbung als an die der bildenden Kunst erinnern. Mit dieser Technik revolutionierte er das Medium Fotografie und verschaffte ihm einen gleichberechtigten Platz neben Malerei und Skulptur. Die Ausstellung im Sammlung Goetz /Schaufenster präsentiert eine Auswahl seiner ikonischen Leuchtkastenbilder aus den 1990er Jahren.

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