© Mike Kelley/VG BILD-KUNST, Bonn, photo: Nic Tenwiggenhorn/VG BILD-KUNST, Bonn
Sammlung Goetz

Mike Kelley

„I was experiencing, I think, what has come to be known as the postmodern condition, a form of alienation quite different from postwar existentialism because it lacks any historical sense – there is no notion of truth that has been lost. It is characterized by the feeling that there is a general evenness of meaning.” (Mike Kelley)

Mike Kelleys Werken liegt eine Auseinandersetzung mit seinen persönlichen Erfahrungen im US-amerikanischen Gesellschafts-und Erziehungssystem zugrunde. Er arbeitete intuitiv konzeptuell und nutzte alle medialen Möglichkeiten. Kelleys Denken und Handeln wurde geprägt von einer Künstlergeneration, zu der unter anderem Vito Acconci, Joseph Beuys, Chris Burden, Bruce Nauman, Dennis Oppenheim und Paul McCarthy gehören. Seine intensiven Auseinandersetzungen mit Sprache wurden ergänzt von seinem Interesse für Musik und sind beeinflusst von dadaistischen Künstlern wie Kurt Schwitters und Raoul Hausmann.

Bands wie MC5 oder die Stooges und auch die Gegenbewegung der 1960er Jahre, weckten Kelleys Interesse an der bildenden Kunst. Die Quellen für seine Werke reichen von der psychedelischen Hippiezeit, der amerikanischen Punkbewegung, Comics und Folklore bis hin zur christlichen Ikonografie und historischen Bezügen. Nach der Abkehr von eigenen Performances wurde der Künstler einem größeren Publikum ab 1987 durch seine Serie Half a Man bekannt, in der er abgenutzte Plüsch-und Schmusetiere einsetzte.
In seinen auf den ersten Blick spielerisch wirkenden Installationen werden die Rezipienten in seine eigene psychische Welt verwiesen, auf verdrängte Erinnerungen, schmerzhafte Erlebnisse und seine sexuelle Konditionierung. Kelley setzte sich intensiv mit psychologischen Prozessen, ihrer wissenschaftlichen Analyse, Verhaltensmustern und der sexuellen Identität auseinander. In der Ausstellung wurden diese Ansätze anhand der beiden Installationen Citrus and White (1991) und Unisex Love Nest (1999) transparent. Bei Citrus and White wird ein von der Decke hängendes Knäuel von Plüschtieren in regelmäßigen Abständen mit einem Duft besprüht, der kulturspezifisch Sauberkeit, Reinlichkeit und Frische vermittelt, in Deutschland Fichtennadelduft. Die zweite Installation ist der exakte Nachbau eines amerikanischen Vorzeigekinderzimmers nach dem Vorbild aus einem Frauenmagazin. Der Werktitel Unisex Love Nest sowie das dazugehörige Video CrossGender/Cross Genre verweisen auf die Festlegung traditioneller Geschlechterrollen in solchen ‚idealen‘ Kinderzimmern. Mit tradiertem Rollenverhalten spielt auch die Rauminstallation Alma Pater (Wolverine Den) (1990). Sie persifliert die Banner, Abzeichen und Symbole Kelleys eigener Alma Mater, der University of Michigan in Ann Arbor, mit ihrem Bezug auf die Verehrung der sportlichen meist männlichen Teams solcher Universitäten. Räumlich und chronologisch bildet Kandor 7 (2007), bestehend aus Skulptur und Projektion, den Abschluss der Ausstellung. Kandor ist der Name der Hauptstadt des Planeten Krypton aus der Comicserie Superman. Die Stadt von der Superman stammt und der die Vernichtung droht. Kelley hatte die über die Jahre immer wieder unterschiedlichen Darstellungen dieser Stadt in der Comicserie als Skulpturen rekonstruiert.

Mike Kelley

271 Seiten, 150 Abb., Hardcover.
Deutsch/Englisch
2008, Kunstverlag Ingvild Goetz GmbH, Hamburg
ISBN 978-3-939894-11-7
€ 25,00

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Vorschau

© Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Au rendez-vous des amis. Klassische Moderne im Dialog mit Gegenwartskunst aus der Sammlung Goetz

| Pinakothek der Moderne

Die Klassische Moderne ist mit ihrer Vielzahl von neuen künstlerischen Stilrichtungen eine Inspirationsquelle für die nachfolgenden Künstlergenerationen. Im frühen 20. Jahrhundert bereitete die Avantgarde den Weg für einen freien Umgang mit Farbe, Linie sowie Perspektive und entwarf Modelle für die Gestaltung einer neuen Gemeinschaft. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler setzen sich aber auch kritisch mit dem Erbe der Moderne auseinander und werfen Fragen zum Umgang mit Körper, Geschlecht und Identität auf.
Diese positiven wie kritischen Impulse zeigt die Neupräsentation von 13 Sälen der Klassischen Moderne, bei der circa 120 Werke in Dialog mit 80 Werken der Gegenwartskunst aus der Sammlung Goetz treten. Dabei wird der Schwerpunkt Malerei medial um Fotografie, Skulptur, Arbeiten auf Papier sowie teilweise erstmals ausgestellte Bildteppiche erweitert.

© Cyrill Lachauer

Cyrill Lachauer. I am not sea, I am not land

| Sammlung Goetz im Haus der Kunst

Cyrill Lachauer (geb. 1979 in Rosenheim, lebt und arbeitet in Berlin und Los Angeles) entwickelt seine umfangreichen Projekte auf langen Reisen, bei denen er tief in die lokalen Kulturen des jeweiligen Ortes eintaucht. Für die Ausstellung der Sammlung Goetz im ehemaligen Luftschutzkeller des Haus der Kunst hat er eine neue mehrteilige Installation mit Filmen, Videos, Fotografien und Texten geschaffen.

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