© Paul Pfeiffer, photo: Thomas Dashuber
Sammlung Goetz

Paul Pfeiffer

Paul Pfeiffers Arbeiten beschäftigen sich mit massenmedialen Phänomenen unserer globalen Gesellschaft, zum Beispiel Starkulten, Sportspektakeln und Filmklassikern. Dabei arbeitet er ausschließlich auf Grundlage bereits vorhandener Bilder sowie Film- und Tonsequenzen. Mittels digitaler Bearbeitung manipuliert er originale Bildvorlagen auf verschiedenste Weise und präsentiert sie uns aus einem neuen Blickwinkel. Pfeiffer wirft so Fragen nach Identität, ihrer Konstruktion und unserer Abhängigkeit von den Massenmedien auf.

24 Landscapes (2000/2008) ist eine fotografische Serie schlichter, meist unscharfer Strandaufnahmen, die im ersten Moment an beliebige Schnappschüsse am Meer erinnern. Nur Experten werden diese Fotografien als Sets für Porträtaufnahmen Marilyn Monroes erkennen, die 1962, für den Fotografen George Barris an einem kalifornischen Strand posierte. Digital eliminierte Pfeiffer alle Spuren der Filmikone aus den Fotos und rekonstruierte den Hintergrund an ihrer Stelle. So führt er den Betrachtendendie Strände als leere Kulissen vor, die nun zu eigenständigen Landschaftsaufnahmen werden.
Bei der Videoarbeit Caryatid (2009) manipuliert Pfeiffer Profiwrestler, die nach einem Kampf geschlagen am Boden liegen. Aufgrund der Herauslösung aus ihrer Umgebung und durch die Wahl eines begrenzten Bildausschnitts wirken die schweißgebadeten Körper, als hätten sie gerade einen sexuellen Akt und nicht einen martialischen Kampf hinter sich. Welche Beeinflussung durch Massenmedien erfolgen kann, untersucht Pfeiffer bei Live from Neverland (2006). Ein Monitor zeigt die Originalübertragung der Unschuldsbeteuerung Michael Jacksons, der wegen Kindesmissbrauchs angeklagt war, 2005 jedoch freigesprochen wurde. Die Originalstimme des Popstars ersetzte Pfeiffer mit dem im Wortlaut übereinstimmenden Sprechgesang einer Gruppe von Jugendlichen, deren feierliche Darbietung im Stil eines Chors der griechischen Antike auf eine Wand projiziert wird. Als weiteren Ort räumlicher Massenerfahrung macht Pfeiffer das klassische Fußballstadion aus. Seine Installation Vitruvian Figure (2009) besteht aus einem viertelovalen Architekturmodell einer Sportarena, das an zwei Seiten übereck von Spiegelwänden begrenzt ist. Blicken die Betrachtendenüber den Rand der Arena sehen sie in der Reflexion das vollständige Londoner Wembley-Stadion.

Paul Pfeiffer

160 Seiten, 191 Abb., Hardcover
Deutsch/Englisch
2011, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern
ISBN 978-3-7757-3152-2
€ 25,00

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Vorschau

© Cyrill Lachauer

Cyrill Lachauer. I am not sea, I am not land

Sammlung Goetz im Haus der Kunst

Cyrill Lachauer (geb. 1979 in Rosenheim, lebt und arbeitet in Berlin und Los Angeles) entwickelt seine umfangreichen Projekte auf langen Reisen, bei denen er tief in die lokalen Kulturen des jeweiligen Ortes eintaucht. Für die Ausstellung der Sammlung Goetz im ehemaligen Luftschutzkeller des Haus der Kunst hat er eine neue mehrteilige Installation mit Filmen, Videos, Fotografien und Texten geschaffen.

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