© Matthew Barney, photo: Nic Tenwiggenhorn/VG BILD-KUNST, Bonn
Sammlung Goetz

Matthew Barney

“I like to think the music can take you farther into the visual than the visual alone can. There’s a place where we can see and hear at the same time, without being aware of doing either: a state of awareness without concentration, which can only happen with this kind of accumulation of elements.” (Matthew Barney)

1987 begann Barney mit einer über die Jahre weiterentwickelten Serie DRAWING RESTRAINT, die wie seine Abschlussarbeit Field Dressing (1989), zwei Themen zusammenführt: der Körper des Sportlers als energetische Skulptur und der Fetischcharakter von Sportgeräten. In seinen ersten Einzelausstellungen 1991 präsentierte er Installationen mit Skulpturen und Videos, die zeigten, wie er in Interaktion mit verschiedenen Konstruktionen und Objekten durch körperliche Anstrengung und Überwindung von Hindernissen doch noch zu einer Zeichnung gelangte. Die sieben Fotos der Serie ENVELOPA: Drawing Restraint 7 (Guillotine) (1993) waren als Bindeglied über die Ausstellungsräume verteilt. Die große filmische Arbeit Drawing Restraint 9 (2006) wurde parallel im BASE 103 präsentiert.
1994 begann der Künstler mit der Arbeit an seinem monumentalen CREMASTER-Zyklus, einem fünfteiligen Filmprojekt, das von Skulpturen, die zum Teil als Set dienten oder daraus abgeleitet wurden, Fotografien und Zeichnungen ergänzt wird. Das Zentrum der Ausstellung, die Werke aus den Jahren 1992 bis 2006 umfasst, bildete dieser in einer Raum-Klang-Skulptur zusammengefasste CREMASTER-Zyklus, einschließlich der jeden Film begleitenden Vitrine.

Was ursprünglich in Form von Performances des Künstlers ohne Publikum ausgeführt wurde, hat im Film DRAWING RESTRAINT 9 zu einer poetischen und zugleich verstörenden Form gefunden. Die Überwindung eines Widerstands für den Akt des Zeichnens wird in das Medium Film überführt und auf die Schaffung einer Skulptur ausgeweitet. DRAWING RESTRAINT 9 spielt auf dem japanischen Walfangschiff Nisshin Maru. Der Soundtrack stammt von der isländischen Musikerin Björk, die eine Hauptrolle im Film übernommen hat. Der Film beginnt mit einer Prozession in einem japanischen Hafenort: Dort wird ein Tanklastzug, gefüllt mit heißer Vaseline, von Ochsen, Pferden und Wildschweinen zum Schiff begleitet und von Hunderten Schaulustiger umringt. Die Vaseline wird anschließend in eine massive, offene Gussform auf dem Deck des Schiffs gepumpt und kühlt über Wochen auf seinem Weg zur Antarktis ab. Mit Werkzeugen und Arbeitsmethoden, die bei der Zerlegung von Walen angewandt werden, entsteht in der Gussform mit der Zeit eine Skulptur, die ihre Gestalt mehrfach ändert. Der Höhepunkt des Films besteht darin, die Gussform bei der Ankunft im Südpolarmeer vor dem Hintergrund von Eisbergen zu entfernen. Parallel zu dieser Entstehung eines Kunstwerks entwickelt sich unter Deck eine Liebesgeschichte – in den Hauptrollen Barney und Björk –, die an die strikten choreografischen Regeln japanischer Teezeremonien angelehnt ist. Im Verlauf der Zeremonie und der Reise wird der Teeraum selbst zur ‚Tasse‘ und füllt sich mit der warmen Flüssigkeit, in der die beiden westlichen Passagiere einer mysteriösen Transformation unterworfen werden.

Anlässlich der Einzelausstellung von Matthew Barney in der Sammlung Goetz vom 5. November 2007 bis zum 29. März 2008, hat das Filmmuseum München eine Auswahl an Filmen des amerikanischen Künstlers gezeigt.

CREMASTER 1, 1995, und CREMASTER 2, 1999
Freitag, 8. Februar 2008, 21:00 Uhr
CREMASTER 3, 2002
Samstag, 9. Februar 2008, 21:00 Uhr
CREMASTER 4, 1994, und CREMASTER 5, 1997
Sonntag, 10. Februar 2008, 21:00 Uhr
De Lama Lamina, 2004
Samstag, 9. Februar 2008, 18:30 Uhr und 19:45 Uhr
DRAWING RESTRAINT 9, 2005
Freitag, 8. Februar 2008, 18:30 Uhr
Sonntag, 10. Februar 2008, 18:30 Uhr

Matthew Barney

240 Seiten, 139 Abb., Hardcover
Deutsch/Englisch
2007, Kunstverlag Ingvild Goetz GmbH, Hamburg
ISBN 978-3-939894-09-4
€ 25,00

mehr erfahren

Vorschau

© Bayerische Staatsgemäldesammlungen

Au rendez-vous des amis. Klassische Moderne im Dialog mit Gegenwartskunst aus der Sammlung Goetz

| Pinakothek der Moderne

Die Klassische Moderne ist mit ihrer Vielzahl von neuen künstlerischen Stilrichtungen eine Inspirationsquelle für die nachfolgenden Künstlergenerationen. Im frühen 20. Jahrhundert bereitete die Avantgarde den Weg für einen freien Umgang mit Farbe, Linie sowie Perspektive und entwarf Modelle für die Gestaltung einer neuen Gemeinschaft. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler setzen sich aber auch kritisch mit dem Erbe der Moderne auseinander und werfen Fragen zum Umgang mit Körper, Geschlecht und Identität auf.
Diese positiven wie kritischen Impulse zeigt die Neupräsentation von 13 Sälen der Klassischen Moderne, bei der circa 120 Werke in Dialog mit 80 Werken der Gegenwartskunst aus der Sammlung Goetz treten. Dabei wird der Schwerpunkt Malerei medial um Fotografie, Skulptur, Arbeiten auf Papier sowie teilweise erstmals ausgestellte Bildteppiche erweitert.

© Cyrill Lachauer

Cyrill Lachauer. I am not sea, I am not land

| Sammlung Goetz im Haus der Kunst

Cyrill Lachauer (geb. 1979 in Rosenheim, lebt und arbeitet in Berlin und Los Angeles) entwickelt seine umfangreichen Projekte auf langen Reisen, bei denen er tief in die lokalen Kulturen des jeweiligen Ortes eintaucht. Für die Ausstellung der Sammlung Goetz im ehemaligen Luftschutzkeller des Haus der Kunst hat er eine neue mehrteilige Installation mit Filmen, Videos, Fotografien und Texten geschaffen.

Weitere Ausstellungen

zum Ausstellungsarchiv

Um für Sie unsere Website zu optimieren, nutzen wir Cookies. Mit der weiteren Nutzung stimmen Sie der Verwendung zu. Einverstanden!

mehr erfahren