© Max Beckmann/Bayerische Staatsgemäldesammlungen und Thomas Schütte/VG BILD-KUNST, Bonn, Photo: Haydar Koyupinar
Pinakothek der Moderne

Au rendez-vous des amis. Klassische Moderne im Dialog mit Gegenwartskunst aus der Sammlung Goetz

Die Klassische Moderne ist mit ihrer Vielzahl von neuen künstlerischen Stilrichtungen eine Inspirationsquelle für die nachfolgenden Künstlergenerationen. Im frühen 20. Jahrhundert bereitete die Avantgarde den Weg für einen freien Umgang mit Farbe, Linie sowie Perspektive und entwarf Modelle für die Gestaltung einer neuen Gemeinschaft. Zahlreiche Künstlerinnen und Künstler setzen sich aber auch kritisch mit dem Erbe der Moderne auseinander und werfen Fragen zum Umgang mit Körper, Geschlecht und Identität auf.
Die Ausstellung Au rendez-vous des amis entstand aus der Idee, einige wenige Arbeiten der Sammlung Goetz in der Pinakothek der Moderne zu präsentieren, um die vielfältigen Beziehungen der Gegenwart zur Moderne sichtbar zu machen. Die kuratorische Arbeit mit den Sammlungen offenbarte aber ein nahezu unerschöpfliches Potential, sodass eine umfangreiche Ausstellung mit über 200 Werken entstand.

Pinakothek der Moderne

Dienstag - Sonntag 10.00 - 18.00
Donnerstag 10.00 - 20.00

Aufgrund der geltenden COVID-19-Beschränkungen ist ein Besuch nur nach vorangehender Terminbuchung und unter Angabe der Kontaktdaten möglich. Bitte beachten Sie die vor Ort geltenden Hygieneschutzmaßnahmen.

Barer Str. 40
80333 München

Künstlerinnen wie Louise Bourgeois und Huma Bhabha lassen sich, wie schon die Expressionisten Ernst Ludwig Kirchner oder Erich Heckel, von ozeanischer und afrikanischer Plastik inspirieren, richten aber aus einer weiblichen Perspektive ihren Blick auf den Körper. Picassos kubistische Formensprache wiederum bleibt für bildnerische Möglichkeiten in der Gegenwartskunst eine stete Anregung, wie die Skulpturen und Gemälde von Aaron Curry und Tobias Pils zeigen. Maler der Neuen Sachlichkeit wie Karl Hubbuch oder George Grosz stellen die „Neue Frau“ der 1920er Jahre dar, an deren selbstbewusstes Spiel mit weiblichen Rollenerwartungen Sarah Lucas in ihren provokativen fotografischen Selbstporträts anknüpft. Zwei der Abstraktion gewidmete Räume führen vor Augen, wie lebensreformerische Utopien und konstruktivistische Ideen des Bauhauses, die durch Oskar Schlemmer, László Moholy-Nagy oder Josef Albers repräsentiert werden, bei Künstlerinnen und Künstlern wie Andrea Zittel, Rosemarie Trockel, Gerwald Rockenschaub oder Katja Strunz bis heute fortwirken.

Der Dialog der Klassischen Moderne mit Gegenwartskunst aus der Sammlung Goetz erfreut sich beim Publikum anhaltender Beliebtheit. Die Ausstellung wird deshalb nicht nur bis 16. Januar 2022 verlängert, sondern durch die Kuratoren um weitere Gegenüberstellungen bereichert. Einige der thematisch gegliederten Räume wurden komplett neu konzipiert. Dazu gehört auch Saal 3, in dem sich Gemälde der Künstler des Blauen Reiters nun mit großformatigen Werken von Michael Buthe aus den 1980er-Jahren auf ihrer Suche nach Spiritualität in der Kunst vereinen.

Aus dem Bestand der Neuen Pinakothek stammt das hochexpressive Gemälde Agonie, 1912 von Egon Schiele. In Saal 4 trifft dieses Werk nicht nur auf Lehmbrucks Skulptur des Gestürzten als Mahnmal für die geopferte Jugend Europas im Ersten Weltkrieg, sondern auch auf Collagen von Marcel Odenbach und eine großformatige Fotografie von Stan Douglas, die das Schicksal kriegsbedingter Flucht thematisieren, das sich bis in unsere Gegenwart zieht.

Eine spektakuläre Ergänzung erfährt die Gegenüberstellung der Künstler Max Beckmann und Thomas Schütte in Saal 9 durch dessen Skulptur Stahlfrau Nr. 12, 2003. Diese monumentale Arbeit des Künstlers stand bislang im Skulpturengarten vor dem Ausstellungsgebäude der Sammlung Goetz und wurde in Verbindung mit der minimalistischen Architektur zu einem Wahrzeichen des Hauses. Weitere Highlights sind eine Fotografie von Cindy Sherman im Dialog mit Porträts und Figurenbildern der Neuen Sachlichkeit in Saal 7 sowie ein monumentales Gemälde von Günter Fruhtrunk Trennendes Rot, 1968/69 in Saal 11. Darüber hinaus ergänzen Objekte von Tom Sachs und das Gemälde Cargo (USS Cole), 2004 von Luc Tuymans den Saal 13.

Teil 1: 29. September 2020 – 5. August 2021
Teil 2: 6. August 2021 – 16. Januar 2022

Kuratiert von Oliver Kase und Karsten Löckemann

Mit freundlicher Unterstützung von PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne e.V. sowie der Herbert-Schuchardt-Stiftung, München und der Kunststiftung Ingvild und Stephan Goetz.

Mit Carla Accardi, Josef Albers, Paweł Althamer, Alexander Archipenko, Hans Arp, Francis Bacon, Maria Bartuszová, Willi Baumeister, Max Beckmann, Rudolf Belling, Huma Bhabha, Louise Bourgeois, Georges Braque, Michael Buthe, Giorgio de Chirico, Lovis Corinth, Aaron Curry, Salvador Dalí, Otto Dix, César Domela, Stan Douglas, Raymond Duchamp-Villon, Max Ernst, Peter Fischli und David Weiss, Otto Freundlich, Günter Fruhtrunk, Rodney Graham, Walter Gramatté, George Grosz, Carl Grossberg, Hans Hartung, Erich Heckel, Karl Hubbuch, Wassily Kandinsky, Alexander Kanoldt, Ernst Ludwig Kirchner, Paul Klee, Helmut Kolle, Oskar Kokoschka, Käthe Kollwitz, Jonathan Lasker, Wilhelm Lehmbruck, Sherrie Levine, Sarah Lucas, August Macke, René Magritte, Franz Marc, Henri Matisse, Takesada Matsutani, Joan Miró, Paula Modersohn-Becker, Henry Moore, Lászlo Moholy-Nagy, Otto Mueller, Emil Nolde, Marcel Odenbach, Paulina Ołowska, Max Pechstein, Manfred Pernice, Pablo Picasso, Tobias Pils, Tal R, Anton Räderscheidt, Franz Radziwill, Albert Renger-Patzsch, Gerwald Rockenschaub, Christian Rohlfs, Christian Rosa, Tom Sachs, Wilhelm Sasnal, Christian Schad, Egon Schiele, Oskar Schlemmer, Thomas Schütte, Johanna Schütz-Wolff, George Segal, Cindy Sherman, Katja Strunz, Sam Taylor-Johnson, Rosemarie Trockel, Tatiana Trouvé, Luc Tuymans, Friedrich Vordemberge-Gildewart, Gillian Wearing, Theodor und Woty Werner, Fritz Winter, A. O. Wols, Thomas Zipp und Andrea Zittel.

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PIN. Freunde der Pinakothek der Moderne

Medienpartner

arte

Au rendez-vous des amis. Klassische Moderne im Dialog mit Gegenwartskunst aus der Sammlung Goetz

176 Seiten, 100 Abb., Hardcover
Deutsch/Englisch
2021, Hirmer Verlag, München
ISBN 978-3-7774-3766-8
€ 29,90

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STILL LIFE. Fotografien aus der Stiftung Ann und Jürgen Wilde und aus der Sammlung Goetz

Der Dialog zwischen den Sammlungsbeständen in der Pinakothek der Moderne wird mit der Präsentation von Fotografien zum Thema Stillleben aus der Stiftung Ann und Jürgen Wilde und der Sammlung Goetz, wird weiter fortgesetzt.

zur Ausstellung

 

Stilleben mit Seeigel-Skeletten, Gläsern, Flaschen und Papierbögen auf einem Fensterbrett. Wolfgang Tillmans, Sammlung Goetz, München

Kunst und Musik

Mit dem zweiteiligen Filmprojekt zur Kunst und Musik wird das Rendez-vous des amis um einen weiteren Partner ergänzt. So haben die Kuratoren der Ausstellung Oliver Kase (Sammlung Moderne Kunst) und Karsten Löckemann (Sammlung Goetz) den Opernsänger Anton Leiss-Huber eingeladen, mit der Ausstellung musikalisch in einen Dialog zu treten. Er hat sich von den Werken der Klassischen Moderne sowie der Gegenwartskunst inspirieren lassen und populäre Musikstücke der 1920er und 1930er Jahre von Ralph Benatzky ausgewählt. Begleitet von Julian Schwarz (Akkordeon) und Johannes Stern (Kontrabass) tritt er in Interaktion mit der Kunst.

zu den Filmen

Vorschau

© Imi Knoebel/VG BILD Kunst, Bonn, photo: Thomas Dashuber

Imi Knoebel

Sammlung Goetz

Frühjahr 2022

Mit einer retrospektiven Ausstellung ehrt die Sammlung Goetz den Künstler Imi Knoebel zu seinem 80. Geburtstag. Gezeigt wird die gesamte Bandbreite seines künstlerischen Schaffens angefangen von den Schwarzweißfotografien aus den 1960er Jahren, über Collagen aus mehrfarbigem Papier, Objekten aus Betonguss bis hin zu seinen jüngsten Malereien in Acryl auf Aluminium. Die Präsentation umfasst dabei nicht nur seine geometrisch minimalistisch anmutenden Werke, sondern auch bisher wenig gezeigte expressive Malereien aus den 1980er Jahren.

© Barbara Kasten

Barbara Kasten. Works

Sammlung Goetz BASE 103

Frühjahr 2022

Die US-amerikanische Künstlerin Barbara Kasten hat von den 1970er Jahren bis in die Gegenwart ein beeindruckendes künstlerisches Werk geschaffen. Im Zentrum stehen ihre abstrakt-geometrischen Farbfotografien aus den 1980er Jahren, die sich dem Wechselspiel von Licht und Schatten widmen und dabei neue Raumerfahrungen bieten. Die Sammlung Goetz, die über umfangreiche Werkbestände von Barbara Kasten verfügt, hat in Kooperation mit dem Kunstmuseum Wolfsburg die erste museale Einzelausstellung der Künstlerin in Europa konzipiert. Eine Auswahl der umfangreichen Retrospektive wird in den Räumen der Sammlung Goetz in München zu sehen sein.

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